„Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch“. Ein paar kleine Pflänzlein des Rettenden waren in den letzten Monaten spürbar. Bei den großen Kundgebungen im Januar, auch bei der großen Beteiligung an unserer virtuelle Solidaritätskundgebung gegen die rassistischen Übergriffe in Magdeburg, sowie bei unserem Aufruf „Wie das Reden über Migration das Schweigen über gesellschaftliche Herausforderungen organisiert“ und der gleichnamigen Online-Veranstaltung kurz vor der Wahl. Aber auch dem zahlreichen Protest gegen die ersten Versuche der neuen CDU/CSU-geführten Bundesregierung die kritische Zivilgesellschaft mundtot zu machen. Wir haben dies zum Anlass genommen, nach dem Sondernewsletter Anfang Februar diesem Newsletter den Schwerpunkt „Der Rechtsruck und die Folgen“ voranzustellen. Darin dokumentieren wir die vielfältigen kritischen Stimmen zur aktuellen Entwicklung.
Dem vorangestellt ist der Gastkommentar von Mamad Mohamad „Soll ich in Ostdeutschland bleiben, brauche ich ein Rassismusbegrenzungsgesetz“. Allein dieser Gedanke weist auch über die Gefahr hinaus. Er kann als Hilfeschrei gelesen werden angesichts der sich immer mehr zuspitzenden Situation in Magdeburg und anderen Gegenden Deutschlands. Er kann aber auch so gelesen werden, dass er – über das Beklagen der Situation hinausgehend – eine Idee formuliert, was wir für ein gutes Leben für alle brauchen.
All diese kleinen Pflanzen des Hölderlin´schen „Rettenden“ sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Menschen sehr reale Angst haben vor der Gefahr. Diese Pflanzen sind auch noch so vereinzelt und unbeständig, dass sie wenig geeignet sind, die Gefahr zu bannen. So unterschiedlich wir von der Gefahr betroffen sind, so unterschiedlich sind unsere Ängste. Aber sie können trotzdem der Ausgangspunkt sein, uns zu verbinden, um gemeinsam daran zu arbeiten, die kleinen Pflanzen des Rettenden zu pflegen.
Bei den beiden Online-Veranstaltungen, die das Netzwerk organisiert hat, gab es keine Austauschmöglichkeiten, sondern nur die Option auf eine Resonanz im Chat. Dort gab es – genauso wie in der kleinen Gruppe, die die Veranstaltungen organisiert hat – die einhellige Stimmung, dass es notwendig wäre, uns mehr zu vernetzen, Räume der Solidarität, Räume des Austausches und Räume der Organisierung zu schaffen.
Die kleinen Aktivitäten haben auch das Potenzial gezeigt, das in den etwas eingeschlafenen Strukturen dieses Netzwerks liegt. Vielleicht gilt auch hier: Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Vielleicht können wir einen kleinen Beitrag leisten, dass Bildungsinstitutionen und auch die Soziale Arbeit auch ihren Teil beitragen, dass in der Gesellschaft nicht mehr das Trennende, Ausgrenzende und Polarisierende dominiert, sondern das Verbindende und Solidarische.
Wie immer hoffen wir, dass ihr durch die Beiträge dieses Newsletters in Eurer Arbeit unterstützt und angeregt werdet.
Liebe Grüße, das Redaktionsteam
48. Newsletter „Rassismuskritische Migrationspädagogik“ – März 2025:
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Das Netzwerk Rassismuskritische Migrationspädagogik Baden-Württemberg versteht sich als Forum von Menschen aus den Feldern Soziale Arbeit, Schule, Bildung/Weiterbildung, Hochschule sowie angrenzenden Professionen, die sich fachlich und (fach-)politisch in den Feldern Soziale Arbeit, Schule, Weiterbildung – und auch darüber hinaus – einmischen und dort Rassismus selbststärkend, reflexiv-kritisch und wenn nötig auch skandalisierend zum Thema machen.
Das Netzwerk informiert mit diesem Newsletter Interessierte in Abständen von circa zwei Monaten über aktuelle Entwicklungen, Veranstaltungen und Publikationen in den Feldern der Rassismuskritik und Migrationspädagogik.
Der Newsletter erreicht bundesweit über 2300 Adressen und wird weitgehend ehrenamtlich erstellt. Die Auswahl der Beiträge lebt auch von den Empfehlungen (info@rassismuskritik-bw.de), die bei uns eingehen, und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Redaktion: Andreas Foitzik, Sabine Pester und Axel Pohl